28.03.2009
„Gute Reden fallen nicht vom Himmel“
Kurzseminar der Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten
Unter diesem Titel bot die Ehrenamtsakademie der evangelischen Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten ein Kurzseminar an, in dem den Teilnehmenden Anregungen und Tipps zum Verfassen von kleinen Ansprachen und Reden vermittelt wurden. „Wie werde ich mit meinem Lampenfieber fertig, wie baue ich eine Rede sinnvoll auf und wie wirke ich auf meine Zuhörer“, das waren Fragen, die die Interessenten mit in das Seminar brachten. Der Referent, Andreas Marschella, Pfarrer in Gelnhaar und Bindsachsen und stellvertretender Dekan im Dekanat Büdingen, konnte zur Beantwortung dieser Fragen auf seine umfangreichen Kenntnisse, die er in seiner Ausbildung zum Sprecherzieher (Univ. DGSS) erworben hat, zurückgreifen. In Seminaren in Wirtschaft, Verwaltung und Kirche begleitete und schulte er Menschen, die Vorträge halten und Gespräche moderieren sollten. Auf Grund seiner vielfältigen Erfahrungen konnte er den Seminarteilnehmern viele hilfreiche Tipps geben.
„Feuchte Hände, Herzrasen, kalte Füße und weiche Knie“ waren Symptome, die die Anwesenden in Zusammenhang mit ihrem Lampenfieber beschrieben. Diese körperlichen Zustände seien ganz normal, denn eine gewisse Grundspannung gehöre dazu, wenn man eine Rede halten soll, so Pfarrer Marschella. Er schlug vor, sich Zeit zu nehmen und auf seine Atmung zu achten, um den „Stresskreislauf“ kontrollieren zu können und das Lampenfieber zu senken. Anhand einer Übung konnten die Teilnehmenden ausprobieren, wie sich die Art der Atmung auf den Körper auswirkt. Schnelles, kurzes Atmen wurde dabei als „aufregender“ erlebt, während das tiefe in den Bauch Atmen als beruhigend und entspannend beschrieben wurde. Mit Übungen aus dem Programm der progressiven Muskelentspannung konnten die Anwesenden ausprobieren, wie das bewusste Wahrnehmen von Anspannung und Entspannung helfen kann, Lampenfieber abzubauen.
„Reden lernt man durchs Reden“, so der Referent, deshalb wurden die Teilnehmenden aufgefordert, eine kurze Rede zu entwerfen und der Gruppe vorzutragen. Dass dabei am besten mit dem Ende angefangen wird, hat die Anwesenden überrascht. Herr Marschella machte deutlich, dass es hilfreich sein kann, sich zuerst die Konsequenzen, die eigene Meinung oder These bewusst zu machen, die das Ergebnis der Rede sein soll. „Das, was unbedingt gesagt werden soll, sollten Sie zuerst aufschreiben“ so der Referent, „und von da aus die Argumentation entwickeln“. Die Denkrichtung der Redestruktur sei vom Ende der Rede zu ihrem Anfang, während die Sprechrichtung in umgekehrter Reihenfolge vorgeht. Zuerst wird der Situationsbezug genannt, dann die Argumentation und schließlich die Konsequenz oder eigene Meinung bzw. These. Für den Redeeinstieg sollte der Redner „Mut zum Knaller“ haben, um die Aufmerksamkeit der Zuhörer zu bekommen. Dazu könnte z.B. ein Witz, ein aktuelles Beispiel oder eine rhetorische Frage dienen.
Mit diesen Strukturierungshilfen bereiteten die Teilnehmenden eine kleine Rede vor, die sie anschließend im „Redekreis“ präsentieren konnten. Dabei standen weniger die Inhalte, sondern eher die Struktur der Rede und die Körpersprache der Redenden im Mittelpunkt. Sich Zeit zum Auftritt nehmen, d.h. langsam und gelassen zum Rednerpult gehen, und auf einen sicheren Stand achten bevor man beginnt, waren Anregungen, die von allen Teilnehmenden ausprobiert wurden. Deutlich wurde auch, wie wichtig es ist, sich den Zuhörern zuzuwenden und Blickkontakt aufzunehmen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu konzentrieren. Herr Marschella regte an, möglichst frei zu gestikulieren, d.h. nicht das Rednerpult festzuhalten, die Arme zu verschränken oder die Hände zu kneten. Jeder Redner sollte eine Gestik finden, die zu seiner Person passt und mit der er sich wohlfühlt, ohne zu steif zu wirken.
Die Teilnehmenden nutzen die Gelegenheit, im „Redekreis“ eine kurze Ansprache vorzutragen, bei der sie die Tipps und Anregungen des Referenten ausprobieren konnten. Im Anschluss erhielten sie offene und hilfreiche Rückmeldungen der ZuhörerInnen, wie auch des Referenten. So konnten sie ihre Wirkung auf Zuhörende erfahren und Anregungen mitnehmen. Alle Teilnehmenden erlebten die Übungen und Rückmeldungen als sehr hilfreich und wünschten sich eine Fortsetzung des Seminars.
Die Leiterin der Ehrenamtsakademie in der AG der Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten, Rita Stoll, dankte dem Referenten für seine hilf- und kenntnisreichen Tipps und Anregungen und wies auf das nächste Seminar der Ehrenamtsakademie hin, das am 16. Mai 2009 mit dem Thema „Projekte planen – Projekte erfolgreich durchführen“ in Nidda stattfinden wird. Auskünfte dazu gibt es bei Rita Stoll unter Tel.: 06042/9534986.



