06.06.2008 Usingen
„Man muss die Kirche lieben, wenn man sie verändern will“
Mit Veranstaltungen in Friedberg und Usingen wurde die Regionale Ehrenamtsakademie Hochtaunus Wetterau eröffnet

Präses Pohlmann heißt die Repräsentantin der Evangelische Ehrenamtsakademie, Helga Engler-Heidle, auf der Auftaktveranstaltung willkommen.
Gesamtbild v.l.n.r: Dr. Ernst-Georg Gäde, Prof. Gottfried Pohlmann, Helga Engler-Heidle, Michael Tönges-Braungart, Yvonne Dettmar
„Lieben wir die Kirche? – lieben wir die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau?“, fragte Pfarrer Michael Tönges-Braungart, Dekan des Dekanat Hochtaunus, die etwa 30 Kirchenvorsteher aus dem Hochtaunus im Gemeindehaus der Kirchengemeinde Usingen, um seine Frage gleich selbst zu beantworten: „man muss die EKHN lieben, wenn man sie verändern will“. Die Menschen sollten die Kirche so sehen, wie Gott sie gemeint hat, um sie dann in diesem Sinne umzubauen. Und auch für diese Umbauarbeiten sei die neu gegründete regionale Ehrenamtsakademie Hochtaunus-Wetterau nützlich. Hier könnten ehrenamtliche Führungskräfte der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) vieles lernen – nicht nur, um ihre Kirche oder ihre Gemeinden zu verändern. „Und vor allem bekommen sie dieses Wissen vor Ort und müssen dazu nicht nach Frankfurt oder Darmstadt reisen“, betonte die Leiterin der Ehrenamtsakademie der EKHN, Pfarrerin Helga Engler-Heidle, die Vorteile dieser in der EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) einzigartigen regionalen Unterstützung für Ehrenamtliche. Mit den Worten von Präses Prof. Gottfried Pohlmann „unsere Akademie wird so gut, wie wir sie machen“, wurde der inhaltliche Teil der Eröffnungsveranstaltung begonnen.
Das Thema der Auftaktveranstaltung griff einen zentralen Aspekt der bevorstehenden Kirchenvorstandswahl auf: „Kandidatinnen und Kandidaten gewinnen – wie macht man das? Anregungen, Empfehlungen, Erfahrungsaustausch“ mit dem Referenten Dr. Ernst-Georg Gäde vom Zentrum für Organisation und Supervison (ZOS). Zunächst musste Gäde jedoch eine traurige Nachricht überbringen: „Es gibt kein Patentrezept für die Kandidatengewinnung!“. Nach einigen Worten zu den rechtlichen Grundlagen der Wahl wurde der Berater vom ZOS persönlich. „Welche individuellen Fähigkeiten muss eigentlich ein Kirchenvorsteher für diese verantwortungsvolle Aufgaben mitbringen“, wollte er von den amtierenden Kirchenvorstands-Vorsitzenden wissen. Konfliktfähigkeit, konzeptionelles Denken, Verantwortungsbewusstsein und eine konstruktive Wahrnehmung waren nur einige der Punkte, die kurz danach an der Flipchart standen. In der folgenden Gruppenarbeit ging es um eventuelle Fragen potentieller Kandidaten: Warum ist das Amt für mich attraktiv? Welche Aufgaben kommen auf mich zu? Wie hoch ist der Aufwand? Was bekomme ich geboten? Und: Warum ist es so wichtig, die passenden Antworten zu kennen? Kommen die Kandidaten nicht ohnehin auf den Pfarrer zu? „Nein, eben nicht“, betonte Gäde. „Bei den letzten KV-Wahlen der Kirche im Rheinland haben 45 Prozent der Kirchengemeinden die vorgegebene Kandidatenzahl nicht erreicht“. Außerdem würden nur 20 Prozent der Kandidaten von Pfarrern angesprochen, die restlichen 80 Prozent entschieden sich nach einem Gespräch mit Aktiven aus der Gemeinde für eine Kandidatur. „Darum ist es sehr wichtig, dass auch Nichttheologen sprachfähig sind und für die Kandidatur werben können“ unterstrich der Dozent aus Friedberg.
Text und Foto: Jens-Markus Meier, Dekanat Hochtaunus
16.05.2008 Friedberg
Präses Tobias Utter im Gespräch mit Helga Engler-Heidle, der Leiterin der Ehrenamtsakademie der EKHN
Rund 1000 Ehrenamtliche leiten in Kirchenvorständen und Gremien die Geschicke der 60 Gemeinden des Evangelischen Dekanats Wetterau. Sie tragen Verantwortung für Personal und Bauprojekte, sie verwalten das kirchliche Vermögen und sie entscheiden auch über die Gestaltung von Gottesdiensten und die Entwicklung des Gemeindelebens. Das sind vielfältige Aufgaben, für die die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) seit 2003 Unterstützung in Form einer Ehrenamtsakademie anbietet. Zehn regionale Standorte gibt es bereits - und seit Mai hat die Akademie auch einen Stützpunkt im Dekanat Wetterau, das sich mit dem Dekanat Hochtaunus zur Regionalen Ehrenamtsakademie Hochtaunus-Wetterau zusammengeschlossen hat. Der offizielle Startschuss fiel kürzlich in Friedberg beim Kirchenvorstehertag, zu dem Präses Tobias Utter die Vorsitzenden der Kirchengemeinden zweimal im Jahr einlädt. Praktische und geistliche Fragen der Gemeindeleitung werden dort besprochen - diesmal war der Schwerpunkt das Thema Kirchenvorstandswahlen 2009, dem auch die ersten Angebote der Ehrenamtsakademie in der Wetterau gewidmet sind.
Helga Engler-Heidle, die Leiterin der Ehrenamtsakademie der EKHN, stellte den rund 30 Kirchenvorstehern die Zielsetzung dieses, wie sie sagte „Riesen-Netzwerkes“ vor: Es gehe darum, vorhandene Angebote und Ressourcen zu nutzen, um Fortbildungen anzubieten, die durch kurze Anfahrtswege, überschaubare Zeiteinheiten und geringe Kosten für Ehrenamtliche in den Gemeinden attraktiv und vor allem machbar seien.
Dann ging es konkret ging es um die Frage: Wie gewinnt eine Gemeinde Menschen für die Mitarbeit im Kirchenvorstand - und welche Kompetenzen werden dort überhaupt gebraucht?
Ernst-Georg Gäde vom Zentrum
für Organisationsentwicklung und Supervision der EKHN in Friedberg moderierte den Erfahrungsaustausch der Kirchenvorsteher. Er richtete das Augenmerk auf „die vier großen A“: Was macht die Tätigkeit im Kirchenvorstand für
Menschen attraktiv, welche Aufgaben warten auf sie, wieviel Aufwand an Zeit erfordert das und welche Angebote erhalten die Ehrenamtlichen dafür?
Eines dieser Angebote ist die Möglichkeit, sich im Rahmen der Ehrenamtsakademie in unterschiedlichsten Bereichen fortzubilden. Die Themenpalette reicht von Moderation und Sitzungsleitung über Haushaltsplanung und Fundraising, Öffentlichkeitsarbeit, Personalführung und Konfliktmanagement bis hin zu theologischen Fragen. Regionale Ansprechpartnerin für die Ehrenamtsakademie im Evangelischen Dekanat Wetterau ist Öffentlichkeitsreferentin Annegret Rach.
Text und Foto: Annegret Rach, Dekanat Wetterau