„Die ganze Familie unter einem Baum?“ Waldbestattungen im Vogelsberg
Seminar am 23. 3. und Exkursion am 21. 4. 2007

Friedwald: Größere Vorbehalte nach Besuch

Die Bescheidenheit der Begräbnisstätten beeindruckte die 16 Mitglieder von Kirchenvorständen und Pfarrgemeinderäte der Dekanate Alsfeld und Vogelsberg, die am vergangenen Samstag den Friedwald Reinhardshagen besichtigten. Knapp 400 Urnenbeisetzungen fanden auf diesem ersten Friedwald in Deutschland im vergangenen Jahr statt, erläuterte Dr. Adam von Schultzendorff vom Unternehmen Friedwald. Die vielen Besucher an dem warmen April-Samstag zeigten der Vogelsberger Gruppe, dass der Friedwald auch als Ort der Trauer angenommen wird.
Probleme äußerten jedoch mehrere der regionalen Kirchenvertreter mit der Vorstellung, ihre Füße direkt auf den Ort einer Urne zu setzen: Zwar sind die Bäume gekennzeichnet, jedoch nicht mehr die einzelnen Urnenstandorte. Zudem fehle jeglicher persönlicher Bezug: Die Friedwald-Beisetzung sei eine „anonyme Bestattung mit Namensnennung“, pointierte ein Teilnehmer.
Nach der Führung durch das „Museum für Sepulkralkultur“ in Kassel nahm Dagmar Kuhle, die bereits am Informationsabend in Wallenrod referiert hatte, die Eindrücke der Vogelsberger Gruppe auf: Das Konzept der Bestattungswälder sei noch sehr jung. Man müsse noch ein bis zwei Jahrzehnte warten, um zu beobachten, wie die Angehörigen von Verstorbenen auch über eine längere Zeit mit dieser Bestattungsform umgehen. „Es bleibt abzuwarten, ob diese Begräbnisform den Hinterbliebenen ausreicht, oder ob die Begräbnisstätten wieder näher an die Stätten der Lebenden herangeholt werden.“

von Ralf Müller, Dekanat Alsfeld