"Am Anfang steht ein Mensch mit einer guten Idee ..."
Ehrenamtsakademie der Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten beschäftigte sich mit Spenden, Sponsoring und Stiftungen am 24.2.2007 in Nidda
Was ist Sponsoring, wie wirbt man Spender, welche Möglichkeiten haben kleine Kirchengemeinden, ein Stück vom „großen Geldkuchen“ abzubekommen? Diesen und anderen Fragen rund um das spannende Geschäft mit Kollekten, Spenden, Sponsoring und Stiftungen gingen 14 Ehrenamtliche im Rahmen der zweiten Veranstaltung der Ehrenamtsakademie der Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten auf den Grund. Dabei erfuhren sie, dass „Fundraisng“, der Begriff, der das Eröffnen von Geldquellen im so genannten „Non-Profit-Bereich“ umschließt, mehr meint, als Geldbeschaffung.
„In erster Linie geht es um den Aufbau und die Pflege von Beziehungen zwischen Menschen“, erklärte Referent Gert Holle, Öffentlichkeitsbeauftragter in der Arbeitsgemeinschaft der drei evangelischen Dekanate Büdingen, Nidda und Schotten. Nur wer es verstehe, auf Menschen zuzugehen und sie für das eigene wichtige Anliegen zu gewinnen, könne auch mit finanzieller Unterstützung rechnen, fügte der erfahrene „Fundraiser“ hinzu. „Fundraising bedeutet das Vermögen, Schätze heben zu können. „Schauen Sie sich in Ihren Gemeinden um, Sie haben so viele verborgene Schätze. Nicht nur Geld, sondern auch Menschen, die ihre Fähigkeiten in den Dienst einer guten Sache stellen wollen und können.“
Natürlich sei das Geschäft mit dem Geld in einer Kirchengemeinde nicht immer frei von Konflikten. Während die einen schon vom großen Geld träumten, fürchteten andere Bandenwerbung oder eine Notiz im Gemeindebrief: „Die Sonntagsgottesdienste präsentieren wir Ihnen mit freundlicher Unterstützung von ...“. Und so manches Mal hörte man davon, dass in dem Bemühen, Geld für einen guten Zweck einzuwerben, über das Ziel hinausgeschossen wurde.
„Die Vermietung von Kirchenräumen, in denen dann zweifelhafte Veranstaltung wie zum Beispiel eine Dessous-Show stattfinden, nähren die Vorurteile gegenüber „Fundraising“ und verletzen schlicht religiöse Gefühle“, wusste der erfahrene PR-Mann zu berichten.
„Je transparenter und überzeugender Projekte und Aktionen der Öffentlichkeit präsentiert werden, umso mehr Aussicht auf Erfolg haben sie. Deswegen sollten Energie und Sorgfalt auf Planungs- und Klärungsprozesse gelegt werden“, erläuterte Holle den interessierten Gästen.

Ob es die ins Auge gefasste Sanierung des Kirchengebäudes ist, die Errichtung eines Förderkreises für den Erhalt der Organistenstelle, der Basar zu Gunsten der Sommerfreizeit der Jugend oder gar die Gründung einer Stiftung zur Pflege und zum Erhalt von gemeindeeigenen Kunstgegenständen, zunächst müsse geklärt werden, was die Gemeinde eigentlich wolle: „Was erwarten die Menschen von ihrer Kirche und was versäumt die Gemeinde zu tun? Was kann die kleine kirchliche Einrichtung leisten und wo nimmt sie sich einfach zu viel vor?“
„Nur die Gemeinden wirtschaften zukunftsorientiert, die ihr Profil ganz klar benennen“, sagte Holle. „Nur wer selbstkritisch und entschlossen die Weichen stellt, behält seine Mitglieder, gewinnt neue und wirbt mögliche Förderer für ein überzeugendes Auftreten.“
Der Vorteil von Kirchengemeinden gegenüber allen Spenden sammelnden Organisationen bestehe darin, dass durch die Begleitung der Gemeindemitglieder an entscheidenden Lebensabschnitten eine unwahrscheinlich große „Nähe“ zu jedem Einzelnen hergestellt werden könne, ermutigte der Theologe die Anwesenden. „Am Anfang steht ein Mensch mit einer guten Idee, einer Vision – ein Mensch, der den Mut hat, andere zu fragen, zu bitten, der auch danken kann ... ein Mensch der mit anderen ein Projekt entwickelt, Antworten auf seine Fragen sucht und sammelt. Wenn jetzt noch der Wille dazukommt, die Idee auch in die Tat umzusetzen, kann fast nichts mehr schief gehen...“
Wer Spender oder Sponsoren werben wolle, müsse sich zwingend den Fragen stellen, denen er oder sie sonst gerne ausweiche. „Voraussetzung für den Erfolg ist, dass für das jeweilige Projekt möglichst alle Beteiligten an einem Strang ziehen,“ empfahl Holle. „Machen Sie eine Stärken- und Schwächenanalyse Ihrer Gemeindearbeit – es lohnt sich!“
Ausgestattet mit den „zehn Regeln des Fundraisings“, einem Fundraisingleitfaden und einem schriftlichen Exkurs zum Thema „Stiftungen“ machten sich die Teilnehmer gut informiert und zu neuen Projekten ermutigt, auf den Heimweg.
[Gert Holle, Öffentlichkeitsreferent]